Predigten

Hier die Ansprache von Pfarrerin Heike Reisner-Baral, vom 10. Juni anläßlich der Wiedereröffnung der Schloßkirche St. Michael:

 

Die Schloßkirche wurde „fit gemacht für die Zukunft“:

Barrierefrei, mit einer Toilette versehen, Bänken und Stühlen, Lichtkonzept, Heizung - einem Freiraum vor dem Altar und einer Nordkapelle, mit einer besonderen spirituellen Energie, die darunter eine versteckte Küchenzeile besitzt.

Nun kann die dort beheimatete Citykirchenarbeit der Evangelischen Kirche Pforzheim weiter ihre Wege gehen:

Indem sie Bewährtes aufgreift und Neues wagt.

 

Liebe Festgemeinde,

 

manche Orte sind besondere Orte.

Kraftvoll. Anziehend.Inspirierend.

Es sind Andersorte - so möchte ich sie nennen.

Auch unsere Schloßkirche ist ein solcher Andersort!

Gebaut aus dicken Mauern,

gehalten vom Eckstein Jesu Christi.

Mit Steinen aus der Vergangenheit, die uns viel zu erzählen haben - und nun ergänzt durch Steine der Gegenwart.

Doch Jesus Christus, ist der, der alles verbindet - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

 

An diesem Andersort findet seit Jahren schon die ökumenische Citykirchenarbeit der Evangelischen Kirche Pforzheim statt.

 

Genau dort, wo das Leben pulsiert.

In der City. Dem Zentrum von Kommerz und Kultur.

 

Mittendrin liegt unser Gotteshaus.

Manchmal wie verloren und aus der Zeit gefallen.

 

Und doch gehört die Schloßkirche im Treiben der City für Viele zu Pforzheim dazu.

Ist nicht wegzudenken: Als das steinerne Geschichtsbuch.

 

Neben zahlreichen Führungen ist sie als Citykirche

täglich von April bis Oktober geöffnet.

Mit der Möglichkeit, auch immer eine Predigt zu erleben.

 

Wie das, mögen Sie jetzt denken?

Wird denn jeden Tag ein Gottesdienst gehalten?

 

Nein - das Kirchengebäude predigt.

Das sind die Steine, die Kirchenfenster, der Altar und vieles mehr.

Hier wirkt Gottes Geist.

Andacht ist zu spüren und muss nicht gehalten werden.

 

Mitten in der City wollen viele Menschen erst einmal ihre Ruhe haben,

wollen den Kirchenraum auf sich wirken lassen;

einfach mal eine Kerze anzünden.

Wollen - am Andersort - etwas von dem spüren,

was nicht mit Händen zu greifen ist.

 

Da gibt es mitten im Trubel des Weihnachts- und Mittelaltermarktes auch den Advent anders!

Wenn um 16 Uhr die Kirchenglocken läuten,

kommen Viele - oft ganz spontan.

 

 

„Seit 35 Jahren war er nicht mehr in der Kirche“ -

erzählte mir nach dem Advent anders! ein Besucher -

„zufällig sei er da, einem spontanem Entschluss und den Kirchenglocken gefolgt“,

“sicher“ so meinte er, „nicht das letzte Mal im Advent.“

 

Citykirche - möchte ALLE einladen, auch die, die am Rande stehen.

Die mit kirchlicher Sprache schon lange nichts mehr anfangen können,

vielleicht auch nicht zur Kirche gehören.

 

Das Programm der Citykirche ist lebendig und vielfältig - und natürlich ökumenisch.

So wie Steine bunt und unterschiedlich sind -

wie uns unsere KiTa Kinder vorhin gezeigt haben.

 

Zum Programm möchte ich nur einiges nennen:

Die Jazzvesper, als der etwas andere Abschluss der verkaufsoffenen Sonntage in der City.

 

 

Die vielfältigen Ausstellungen,

in Kooperationen mit verschiedenen Einrichtungen, Schulen und Institutionen unserer Stadt -

 

die Tradition und besondere Erfolgsgeschichte unserer ökumenische Adventsausstellung mit jährlich etwa 1500 Besucher*innen,

 

unvergesslich war sicher das Ballett des Stadttheaters mit „Heimatwelten“,

auch die Videoinstallation „True fiction“ -

und natürlich die zahlreichen, verschiedenen Gottesdienste, die närrisch, fröhlich und nachdenklich gefeiert wurden.

 

Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzungen von alle dem.

 

Reuchlins Geburtstage feiern wir regelmäßig mit dem Reuchlin-Gymnasium, Tango wurde auch schon getanzt, Haustiere waren willkommen -

das alles ist ein Bild für eine lebendige Kirche mitten in der Stadt.

 

Ein Stelldichein gaben sich die Menschen aus ganz Deutschland - und Europa! - zur Luttherausstellung, so dass fast Zehntausende die Schloßkirche kennen lernen konnten.

Danach fielen die Türen zu,

Steine wurden bewegt -

nicht wenige.

 

Die Schloßkirche wurde fit gemacht für das Heute und Morgen.

 

Nun fehlt noch der letzte große Baustein: Die Reorganisation unserer Steinmeyer Orgel - wo wir auf die Unterstützung Vieler in unsere Stadt hoffen.

 

Was genau alles getan wurde - und was vielleicht noch fehlt - dazu wird nachher unser Architekt, Werner Sandhaus mehr sagen.

 

Mit dem Umbau hat unsere Schloßkirche nun noch mehr Möglichkeiten, um Begegnungen zu schaffen.

Mitten in der City - als Citykirche.

Die wir nutzen werden.

 

Da kommen die Wendepunkte des Lebens in den Blick.

Die Dankbaren sind ebenso willkommen wie die Traurigen.

Die Suchenden, die Sprachlosen und Zweifelnden.

 

Das Bedürfnis nach Segen ist mit Händen zu greifen.

- mitten in der City.

 

Touch and go - so heißt ganz kurz das geistliche Konzept, das hinter unserer Arbeit steht, „berühren und wieder gehen lassen“.

Nichts anderes hat Jesus getan!

 

Gastfreundschaft und Offenheit - so lautet für die Citykirchenarbeit die frohe Botschaft, die sich in allem Tun und Lassen widerspiegelt.

 

So wie es Dekanin Quincke gesagt hat:

„Im Blick auf Christus, der voller Liebe zum Leben ist. Und dem es nichts ausmacht, die Gegensätze auszuhalten, die wir als lebendige Steine mitbringen.“

 

City und Kirche finden hier in der Schloßkirche ihren Schnittpunkt - dem steinernen Geschichtsbuch der Stadt, dem größten erhaltenen mittelalterlichem Gebäude und der Reformationskirche von Baden.

 

Gemeinsam mit den Menschen unserer Stadt sind wir unterwegs.

Wollen bauen, am Haus der lebendigen Steine - uns nicht verstecken hinter dicken Mauern -

sind da - offen und gastfreundlich,  unterwegs in unserer Stadt - mit Kirche anders! an ungewöhnlichen Orten …

So wie es Antoine St. Exupéry beschreibt:

Menschsein heisst: „Seinen Stein beizutragen im Bewusstsein, mitzuwirken am Bau der Welt.“ 

AMEN

 

 

 

Begrüßung:

Der Ältestenkreis der Michaelsgemeinde und ich, freuen uns sehr, dass Sie heute mit uns feiern.

Ich begrüße Sie ALLE - und einige wenige möchte ich namentlich nennen:

Zuerst unseren Architekten Werner Sandhaus aus Freiburg, der wunderbar die Bauleitung inne hatte

und aus dem ganzen Projekt ein ökumenisches gemacht hat - denn, wer in FR lebt ist meistens katholisch…

Dann ist unter uns Jürgen Schlechtendahl vom Ev.Oberkirchenrat .

Der unsere Kirche in das landeskirchliche Bauprogramm mit aufgenommen hat und dadurch den Löwenanteil dieses Umbaus finanziert hat …

Ich begrüße das Land Baden-Württemberg in Stellvertretung von Frank Herb -

auch hier war es ein Freude zusammen zu arbeiten. Kreativ, konstruktiv und finanziell.

Dr. Christoph Timm - von der unteren Denkmalbehörde, der stets ein offenes Ohr für uns hatte,

(gemeinsam mit Herrn Wenz von der oberen Denkmalbehörde).

Und ich freue mich darüber, das Dekanin Christiane Quincke mit uns Gottesdienst feiert -

 

und Sie stellvertretend für den KBZ steht, der uns stets unterstützt und mit seiner Bauabteilung unter Leitung von Thomas Konath auf diesem fast neunmonatigen Weg immer zur Seite stand.

Und eine Freude ist es auch, dass Bürgermeisterin Sibylle Schüssler heute da ist - die gerne den Schloßberg mit unsere Kirche wieder an die Stadt anbinden möchte,

indem die Schloßbergauffahrt gesperrt wird.

Ein Willkommen auch an die Vertreterinnen der Presse, ganz besonders an der Spitze den Verleger der Pforzheimer Zeitung, Albert Esslinger-Kiefer.

Doch ohne Sie alle, die Sie heute da sind - wären wir nichts. Sind Sie doch treue Freunde und Freundinnen dieser Kirche.

 

Ja, wenn die Steine der Schloßkirche St. Michael erzählen könnten, würden wir viele bewegende Geschichten hören:

vom Gesang des jungen Chorknaben Johannes Reuchlins,

von ehrwürdigen Stiftschorherren,

von eindrücklichen Wandmalereien,

von den Bestattungen der markgräflichen Familienmitglieder in der Gruft,

von der Plünderung der Kirche durch die Franzosen,

von siebzehn verlorenen gegangenen Altären,

von der Bombennacht am 23. Februar 1945, dem Wiederaufbau,

von dem Staatsakt für Fritz Erler im Jahr 1967 als sein Sarg hier in der Schlosskirche stand - mit Bundeskanzler Kissinger, Willy Brand und Herbert Wehner als Gäste, von festlichen, glanzvollen Gottesdiensten ebenso wie von Gebeten voller Trauer

und von unzähligen Glücksmomenten bei Hochzeiten und Taufen.

Die Steine der Schloßkirche haben viel erlebt.

In ihren Mauern hat sich die Geschichte eingebrannt.

Manches davon haben Sie noch miterlebt, anderes liegt Jahrhunderte zurück; - Erinnerungen.

Erinnerungen, die der Anblick der Steine in uns wachrufen und genau in diesem Sinne können Steine lebendig werden.

Und heute fügen wir einen weitere Steine hinzu: Wir haben diese wunderbare Kirche ertüchtig - in fast neun Monaten. Eine symbolische Zahl….

Jetzt ist sie so, dass sie weiterhin noch lange als Gotteshaus genutzt werden kann. Das war in ihrer Geschichte nicht immer so.

Möge der Frieden Gottes mit uns sein, der höher ist als alle Vernunft.

Amen

 

 

SEGEN

1. Wir bitten dich um deinen Segen, für die, die ihren Weg in diese Kirche finden.

2. Wir bitten dich um deinen Segen für alles Wirken in der Schloßkirche.

1. Wir bitten dich um deinen Segen, für alle, die in dieser Kirche in deinem Namen Dienst tun.

2. Gott segne euch und behüte euch.

1. Er lasse sein Angesicht über euch leuchten und sei euch gnädig.

2. Er hebe sein Angesicht auf euch und schenke euch seinen Frieden.

Dreifaches AMEN